Venezianisches Rendezvous – der Farinelli des Nordens
Filippo Finazzi zum 250. Todestag
Sinfonien – Cantaten – Sonaten – Arien
Er sang sich an der Gänsemarktoper in die Herzen der „Adelichen, als auch angesehensten Bürgerlichen Häuser“, gab Musikunterricht und komponierte: Filippo Finazzi, 1705 als Sohn eines Juristen bei Bergamo geboren, wurde in Rom, Neapel und Venedig in Gesang ausgebildet und feierte Erfolge als Soprankastrat in Vivaldis Opernaufführungen. Mit der berühmten Operntruppe Mingotti bereiste er den Norden und kam 1744 nach Hamburg.
Sein bewegtes Leben gipfelte im Alter von 52 Jahren in einer anrührenden Liebesgeschichte: In seinem späteren Wohnsitz in Bargfeld/Jersbek (Kreis Segeberg) lernte er eine junge Witwe kennen, die ihn „mit der größten Zärtlichkeit“ pflegte, als er sich beide Beine gebrochen hatte. Drei Jahre später hielt Finazzi um ihre Hand an. Der Sülfelder Pastor jedoch lehnte die Trauung des Soprankastraten aus religiösen Gründen ab. Deshalb bat Finazzi den Syndicus und späteren Bürgermeister der Stadt Hamburg, Nikolaus Schuback, um Hilfe, so dass das Paar zwar nicht in, aber immerhin neben der St. Nikolai-Kirche in Hamburg-Moorfleet von Pastor Klefeker getraut werden konnte. 1776 starb Finazzi in Hamburg nach 15 Jahren Ehe an einem Schlaganfall und wurde auf dem Friedhof von Sülfeld begraben.
Finazzis sechs Sinfonien sowie zahlreiche Arien und Cantaten – allesamt bislang unveröffentlicht – zeugen von der umfassenden Musikalität dieses Ausnahmesängers, der den Glamour von Italiens Opern nach Hamburg brachte.
Konzert in St. Nikolai, Moorfleet, Moorfleeter Kirchenweg 64


